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Was Impulskontrolle mit Rente zu tun hat – und weiß-blau mit Altersvorsorge

Was Impulskontrolle mit Rente zu tun hat – und weiß-blau mit Altersvorsorge

Helmut Achatz
18.04.2017, 23:42 Uhr
Beitrag von Helmut Achatz

Mit der gesetzlichen Rente allein lässt sich der Lebensstandard nicht halten – Zusatzvorsorge ist nötig. Dafür aber müssen die Jungen frühzeitig anfangen zu sparen und ab und an mal auf etwas verzichten. Impulskontrolle nennt sich das. Und was hat das jetzt bitte schön mit weiß-blau zu tun?

Weiß-blau – so sieht ein Eisbecher aus mit Kokos-Curaçao-Eis plus Sahne. Umso stimmiger, wenn der Eisbecher einen blauen Fuß hat. Ein kulinarischer Traum, der sich nur noch durch einen Espresso toppen lässt. Das Ganze für 5,85 Euro. Statt Eisbecher könnte es natürlich auch ein Cocktail Margarita, Mai Tai oder White Lady sein – alles schön mit Curaçao.

Genuss statt Geld – gönn‘ dir was

„Gönn‘ dir was!“, heißt die Devise. Das Leben ist zu kurz, um es nicht in vollen Zügen zu genießen. Außerdem, was sind schon 5,85 Euro? Geld wird überschätzt. Was zählt ist Genuss, das Leben ist schon hart genug.

Okay, 5,85 Euro mal zwölf sind schon 70,20 – ganz abgesehen davon, dass es ja nicht bei einem Eisbecher bleibt, dazu kommt vielleicht ein Aperol Spritz, ab und an mal ein Weißbierchen … Am Ende des Monats sind so aus 5,85 Euro locker mal 50, 60 oder 70 Euro geworden. Einfach so durch die Speiseröhre verschwunden – und du wunderst dich, wo das Geld geblieben ist.

Was soll das heißen? Kommt jetzt der Wink mit dem Zaunpfahl? Mit dem Geld ließe etwas Besseres anstellen – sparen vielleicht? Nur wo bliebe dann der Spaß am Leben?

Bier aus dem Kasten statt in der Kneipe

Na ja, irgendwie schon. Zumindest sollen die Zeilen zum Nachdenken anregen – nachdenken worüber? Über lieb gewordene Gewohnheiten. Klar, wer auskömmlich verdient, denkt vielleicht nicht darüber nach, wenn er hier mal ein paar Euros für einen Eisbecher ausgibt oder für ein schnelles Feierabend-Bier. Aber das Feierabend-Bier zuhause gekippt, kostet eben keine 3,50 oder teilweise sogar 3,90 Euro, sondern nur 85 Cent. Das gleiche gilt natürlich für den Cappuccino und den Eisbecher. Du sparst also 2,65 Euro bei jedem Bier – beim Eisbecher dürfte es sicher noch mehr sein.

Mit ein bisschen Impulskontrolle – und dem Verschieben deiner Bedürfnisbefriedigung auf später – könntest du locker 50 Euro pro Monat zur Seite legen, ach was heißt 50 Euro, es könnten sogar mehr sein. Ganz abgesehen davon, dass dein Leben nicht immer „to go“ funktionieren muss. Entschleunigung als Alternative? Warum nicht!

Altersvorsorge ist uncool

Also kommt jetzt doch der Verweis auf die Altersvorsorge? Ja! Die Kokos-Curaçao-Eisbecher, auf die du in jungen Jahren verzichtest, vervielfachen sich im Laufe der Jahre, vorausgesetzt du investierst das gesparte Geld optimal.

„Ach komm‘, hör‘ mir auf mit Altersvorsorge!“, wirst du jetzt vielleicht sagen – „klingt uncool“. Kann gut sein, aber aus deiner Entscheidung heute, folgt, ob du mit 63 Jahren in Rente gehen kannst oder eben erst mit 67, weil die gesetzliche Rente nicht reicht – und sie wird nicht reichen. „Es ist ein Mythos, dass sich der Lebensstandard durch die gesetzliche Rente halten lässt“, warnt Rentenexperte Bernt Rürup. Wer sich im Alter nicht deutlich einschränken wolle, müsse also zusätzlich vorsorgen, so sein Credo, wie er es in „compass“, dem Kundenmagazin von Comdirect formuliert.

Klar, 50 Euro pro Monat ist nicht die Welt – es könnte aber ja auch mehr sein. Übrigens sind 50 Euro pro Monat aufs Jahr gerechnet immerhin 600 Euro. Was lässt sich damit anfangen? Angenommen, du legst noch was drauf, dann lassen sich aus den 600 Euro locker tausend draus machen.

Wie seinen Eisbecher-Standard halten?

Tausend Euro pro Jahr, das sind in zehn Jahren 10 000 Euro, in 20 Jahren 20 000 Euro – nominal wohlgemerkt, denn real sind diese 20 000 Euro in 20 Jahren bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von 1,5 Prozent nur noch 14 850 Euro wert. Anders ausgedrückt, dein Kokos-Curaçao-Eis plus Sahne mit Espresso kostet dann keine 5,85 Euro mehr sondern 7,88 Euro. Dann denkst du vielleicht wehmütig an 2017 zurück. Für deine 20 000 Euro bekämst du dann nur noch 2538 Eisbecher, heute sind es noch 3418.

Eigentlich hast du nur eine Chance, deinen Eisbecher-Standard zu halten: Du investierst richtig – mit sparen kommst du leider nicht weit. Übrigens, was das Wort „eigentlich“ betrifft – du kannst natürlich auch uneigentlich reich heiraten, etwas erben oder sonst wie zu Geld kommen. Dann sind die kommenden Zeilen hinfällig.

Besser reich heiraten als sparen?

Wenn jedoch nicht, dann musst du dich wohl mit dem Thema Investieren befassen, willst du dir auch im Alter den einen oder anderen weiß-blauen Eisbecher oder Cocktail können. Rentenexperte Rürup deutet schon mal an, was du anstellen musst, um dir im Alter etwas zu gönnen: „Je jünger, desto mehr Aktien, aber bitte breit gestreut!“.

Tja, „breit gestreut“, klingt gut – und heißt nicht, möglichst viele Einzelaktien zu kaufen. A propos Aktien, sind die nicht casino-mäßig gefährlich? Die Börse ist kein Casino, denn langfristig – und die Betonung liegt auf „langfristig“ – bringen Aktien je nach Land und Börse zwischen fünf und neun Prozent Rendite pro Jahr. Aber zurück zu den Aktien und dem Breit-Streuen. Das geht natürlich am besten, in dem du gleich einen ganzen vorkonfektionierten Korb kaufst, so etwas wie den Dax oder den S&P 500, einen Index also. Und diesen Index kannst du kaufen – nennt sich dann Indexfonds oder ETF (Exchange-Traded Fund).

In 20 Jahren 43 400 Euro

Also zurück zu deinem Eisbecher plus Espresso, auf den du verzichtest und den 1000 Euro Einsparung im Jahr – das macht auf den Monat umgerechnet 83,33 Euro. Runden wir auf 85 Euro auf und denken wir 20 Jahre in die Zukunft. Nehmen wir weiter an, du erzielst mit einem ETF-Sparplan durchschnittlich sieben Prozent Rendite pro Jahr – und das 20 Jahre lang. In einigen Jahren wird es weniger sein, in anderen Jahren mehr, deswegen der Durchschnitt. In 20 Jahren hast du bei 85 Euro im Monat insgesamt 20 400 Euro selbst gespart, dazu kommt ein Plus von 23 000 Euro – macht zusammen 43 400 Euro. Übrigens, die sieben Prozent sind eher pessimistisch angesetzt: Der Dax schaffte in den vergangenen 20 Jahren acht Prozent, der amerikanische Akienindex S&P 500 annähernd siebeneinhalb Prozent, der MDax sogar zehn Prozent. Wie wäre es denn, zwei ETFs zu kombinieren – auch das ist keine Hexerei.

Je jünger, desto mehr Aktien

Im Alter könntest du dir über zehn Jahre pro Monat 360 Euro selbst auszahlen, bis dein Eisbecher-Einspar-Vermögen aufgezehrt ist. Mit dem Geld lässt sich natürlich auch etwas Anderes anstellen, beispielsweise eine Weltreise finanzieren.

Wie gesagt, je jünger du bist, desto mehr Aktien dürfen es sein: Beim S&P 500 sind die Aktien der 500 größten US-Unternehmen gebündelt, beim MDax sind es 50 Firmen aus der zweiten Reihe – beide zusammen genommen repräsentieren somit 550 Unternehmen. Das Risiko ist also breit gestreut – nicht nur regional, sondern auch in punkt Währung und Branchen.

Also, worauf noch warten? Wenn nicht jetzt, wann dann.

Mehr unter vorunruhestand.de

9 Kommentare

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Also wie weit geht dieser Betrug noch mit dem Euro ,das lustige und traurige daran alle machen mit zum beispiel :Miete 420,00 euro in DM821,45 Nebenkosten 80,00 Euro in Dm 156,47 Strom 180,00 in Dm 352,03 ,ZDF 52,50 In Dm 102,68 ,Telefon 39,50 in Dm 77,26 ,Versicherung 100,00 Euro ,in Dm 195,58 ergibt in Euro total 876,00 aber in Dm 1713,31 ,so und jetzt sagt mir mal einer was los ist seit dem Euro kommt kein Rentner mehr mit dem Geld aus ,seid einführung des Euro hat sich alles verdoppelt aber die Renten sind dadurch halbiert worden und das ist Betrug?Und dann steht in der Zeitung das immer mehr Renter in die Schuldenfalle kommen ?
  • 24.07.2017, 00:16 Uhr
  • 0
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Das liest sich ja alles schön und gut. Aber die jungen Menschen wollen auch irgendwann mal eine eigene Familie gründen, ein Haus bauen oder vielleicht reisen oder andere Interessen pflegen. Wie sollen sie ein Studium finanzieren oder eine Familie ernähren können, wenn sie obendrein für ihr eigenes Alter vorsorgen müssen und obendrein die Rentner durch das Rentensystem finanzieren müssen? Die getroffene Altersvorsorge wird eines Tages - so wie es aussieht - versteuert werden. Dafür sorgt schon der Staat. Oder das, was angespart wurde (wie z. B. Riesterrente) wird auf die gesetzliche Rente angerechnet, d. h. abgezogen. Wozu dann also vorsorgen, wenn man sowieso auf ein Level gedrückt wird? Ich halte das alles für Augenwischerei. Wäre schön, wenn man vorsorgen könnte. Aber sobald man gesundheitlich Abstriche machen muss, wird es kritisch. Das Rentenalter wird heraufgesetzt, die Mieten, Energie- und Lebenshaltungskosten steigen ins Unermessliche. Schon jetzt können viele kaum überleben, weil sie vom Staat im Stich gelassen werden. Was ist das für eine Regierung, die ihre Alten nach über 40 Jahren Berufstätigkeit in die Armut entlässt? Und zwar ganz bewusst, da man ihnen als Arbeitnehmer tiefer in die Geldbörse packen kann. Rentner verbrauchen doch nur Ressourcen. So werden sie jedenfalls behandelt. Wer die Möglichkeit hat, sollte ins wärmere Ausland gehen. Das spart Energiekosten und tut dem Körper gut. Die Jungen tun mir nur leid, die sich dieses System immer noch antun müssen. Sie werden aufgesaugt, durchgekaut und ausgespuckt nach der Devise "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan", während die Deppen in Berlin es sich gutgehen lassen und mit einem dicken Salär nach nur wenigen Jahren "Arbeit" in Rente gehen können. DAS sollte man ändern. Dann bleibt auch für Otto Normalverbraucher etwas übrig.
  • 08.05.2017, 02:19 Uhr
  • 1
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Soll das Werbung für Aktien oder Aktienfonds sein? Dafür habe ich gar kein Verständnis. Sich an Konzernen beteiligen, die größtenteils so wirtschaften, dass viele andere darunter leiden? Dann lieber in Wohneigentum investieren.
Übrigens lasse ich weder mir noch meinen Kindern Capuccino oder Eisbecher vermiesen. Ich kann die jüngeren Arbeitnehemr verstehen.
  • 20.04.2017, 11:40 Uhr
  • 0
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Der alte Spruch, spare in der Jugend dann hast du im Alter ist nicht falsch. Aber so einfach ist es nicht immer mit dem Sparen. Auch der Verzicht auf Konsum oder Genuß muß nicht Zielführend sein wie eine Begegnung in meinem Umfeld gezeigt hat. Ich Stand auf einem Hügel und habe genüßlich eine Zigarette geraucht. Da kam ein Mann und fragte mich, „wie viel rauchen sie am Tag“? ich sagte, „30 Stück am Tag“. Der Mann fragte „ und wie lange schon“? Ich antwortete, „seit 45 Jahren“. Der Mann zeigte auf ein Haus am Fuß des Bergs und sagte mir, „sehen sie dort dieses schöne Haus, daß könnte ihnen gehören wenn sie anstatt zu rauchen das Geld gespart hätten“. Ich fragte, gehört dieses Haus ihnen? Er sagte nein und ich erklärte ihm daß dieses Haus auf das er gezeigt hat mir gehört.

Die Moral von der Geschicht, Sparen und Verzicht alleine bringt es nicht.
  • 19.04.2017, 16:23 Uhr
  • 2
Wunderschöne kleine belehrende Geschichte !
  • 19.04.2017, 16:38 Uhr
  • 1
...und die 50 E aus dem Jahre 2005 werden 2050 eine Kaufkraft bzw. ein Wert von 5 E haben .....
  • 19.04.2017, 16:40 Uhr
  • 1
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Als es gesetzlich wurde dass die Lebensversicherung abgeschlossen nach 2005 bei der Auszahlung der Umsatzsteuer unterliegt haben meine beiden Enkel gerade angefangen zu studieren und konnten die 50 E nicht entbehren ! Dan gab der Papa jedem 25 und ich, die Oma jedem 25 E monatlich damit sie ihre Altersversorgung abschliessen konnten. Als die beiden anfingen zu arbeiten musste ich nicht mehr zahlen und konnte die 50 E für die Enke weitersparen. Sie haben ihre Monatsrate auf 100 erhöht, damit es sich irgendwann lohnt.
Wir hatten alle Vorteile davon und in 40 Jahren wird sich das doch
als positiv zeigen!
  • 19.04.2017, 12:13 Uhr
  • 3
Die genannten Lebensversicherungserträge unterliegen nicht der Umsatzsteuer, sondern u.U. der Einkommensteuer... darüber hinaus finde ich es immer schön wenn die Großeltern für die Enkel etwas anlegen (wenn sie es sich denn leisten können)
  • 20.04.2017, 11:56 Uhr
  • 1
Dankeschön Barbara, natürlich Einkommensteuer, habe, wie üblich, ohne zu überlegen losgelegt LG

....wenn ich gewusst hätte dass die Enkelkinder so wunderbar sind, hätte ich die als erste gehabt ! (ist aber nicht von mir, es gefiel mir aber !
  • 20.04.2017, 16:48 Uhr
  • 0
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