wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Doch noch Weihnachten

Doch noch Weihnachten

Peter Leopold
07.12.2016, 02:47 Uhr
Beitrag von Peter Leopold

24. Dezember 1976: Alle haben sich schon auf Weihnachten gefreut und Alle wussten, dass es um 18 Uhr soweit war. Wenn man als Neunjähriger den ganzen Tag nervös durch die Gegend läuft und alle zehn Minuten fragt, wann es denn endlich soweit ist, und die Erwachsenen völlig gestresst alles noch einmal kontrollieren, damit abends bloß nichts schief geht, ist entweder Urlaubsbeginn oder Weihnachten.

Auch in diesem Jahr war es nicht sehr viel anders. Bis auf.... ja, bis auf meinen Dad. Er war schon die letzten Tage recht still - ganz entgegen seiner Gewohnheiten, denn zu sagen hatte er immer etwas. Und an diesem Tag war es besonders ruhig um ihn. Er saß nur auf einem Stuhl am Küchentisch und betrachtete unbeteiligt das Geschehen. 18. Uhr rückte immer näher und man konnte nach dem gewohnten Ablauf die Uhr stellen.

Ein zartes Klingeln rief alle zum geschmückten Baum, der wie immer geschmückt mitten im Raum stand und an dem grundsätzlich echte Kerzen brannten. Die Anzahl der Pakete war überwältigend. Ich war eben ein richtig verwöhntes Kind.

Aber die Stimmung war anders als sonst. Und ich habe mich plötzlich gefragt, was denn los wäre - als mein Dad, der nur meinen Blick gesehen hatte, antwortete von sich aus: "Das sind meine letzten Weihnachten" Es war das erste Mal, dass ich bei meinem Dad eine Träne in den Augen gesehen hatte. Und ich fand es erschreckend. Weiter fragen wollte ich nicht. Er wird dafür schon Gründe gehabt haben und es hätte niemals Jemand gewagt, seine Entscheidungen in Frage zu stellen.

In weniger als einem Jahr sollte ich erfahren, was damit gemeint war, doch dieser Satz blieb immer im Gedächtnis. Am 1. November 1977 starb mein Dad und heute gehe ich davon aus, dass er es gewusst haben musste.

24. Dezember 1977: Es war ein trauriges Weihnachtsfest. Irgend etwas hat eben und so etwas wie Weihnachtsstimmung wollte nicht aufkommen. Es war fast ein Tag wie jeder Andere. Nur die bunten Lichter in den Schaufenstern erinnerten daran, dass Weihnachten war. Granny hatte Kekse und selbst gemachtes Marzipan vorbereitet, aber das war ein monotoner Vorgang.

Das jährliche Klingeln um 18 Uhr gab es immer noch - nur die Begeisterung und die Vorfreude waren nicht vorhanden. Als ich vor dem Baum stand, war es plötzlich da...mein persönliches Weihnachtswunder. Ein lebensgroßes Poster von meinem Dad wie ich ihn kannte, war direkt neben dem Baum und ich konnte fast ein Lächeln auf den Lippen im Bild erkennen.Man muss nur daran glauben, dann werden selbst Kleinigkeiten zu Wundern. So wurde aus einem Tag wie jeder Andere doch noch ein schönes Weihnachten und noch heute sehe ich manchmal dieses Lächeln - auch dann wenn es keinen Grund dazu gibt.

27 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
02.01.2017 - heute erst gelegen und für gut befunden! Danke für Deine Offenheit und ein gutes Neues Jahr!
  • 02.01.2017, 16:56 Uhr
  • 0
Peter Leopold
Dir auch ein gutes neues Jahr 2017
  • 02.01.2017, 17:26 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Gerade an Weihnachten möchten wir, dass alles gut ist.
Gerade an Weihnachten treffen uns schlimme Ereignisse doppelt und dreifach.
Gerade an Weihnachten sind solche Erinnerungen ganz besonders schmerzhaft.

Danke, dass du uns daran teilhaben gelassen hast
  • 11.12.2016, 12:27 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Das ist eine traurige Geschichte...aber sehr schön und warmherzig erzählt...
  • 10.12.2016, 10:28 Uhr
  • 1
Peter Leopold
Vor Allem eine wahre Geschichte...
  • 10.12.2016, 11:34 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
och Peter, jetzt muss ich weinen.
Dankeschön für diese ganz persönliche Erinnerung.
  • 10.12.2016, 09:33 Uhr
  • 1
Peter Leopold
Sooo schlimm ist die Story aber auch nicht
  • 10.12.2016, 11:35 Uhr
  • 0
schlimm nicht, aber lebensnah und das hat mich halt angerührt mönsch
  • 10.12.2016, 13:32 Uhr
  • 1
Peter Leopold
DAS ja...
  • 10.12.2016, 13:39 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Danke, für den schönen Beitrag, der mich an die Vergangenheit erinnert!
Wir hatten auch so einen kleinen Bronzeglocke mit der ich immer leutete, wenn das Christkind da war. Dies Tradition haben wir noch aufrecht erhalten, als mein Sohn, leicht behindert, schon Mitte 20 war.

Es war 1996, als meinen Mutter an Krebs erkrankte. Die Ärzte konnten ihr nicht mehr viel helfen. Wir konnten in unserem Haus ein kleines Pflegezimmer einrichten und haben uns darauf vorbereitet, dass wir sie bis zum Tot bei uns pflegen.
Damit sie uns rufen konnte, wenn sie Hilfe braucht, haben wir ihr die Weihnnachtsklocke gegeben. Es war in der Weihnachtszeit, die sie noch mit uns feiern konnte.
Am 4 Januar ist sie dann frielich eingeschlafen.
Seither leutet diese Klock nicht mehr!
  • 10.12.2016, 07:21 Uhr
  • 2
Peter Leopold
Aber die Erinnerung bleibt...
  • 10.12.2016, 07:25 Uhr
  • 1
Diese Erinnerung wir mir immer bleiben.
  • 11.12.2016, 10:46 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Peter schön geschrieben.......schnief...auch meine Mama ist am 23. Dezember leider verstorben ..........Seitdem ist Weihnachten net mehr das was es einmal war für mich ..........obwohl es nun schon 6 Jahre her ist ..............
  • 07.12.2016, 17:03 Uhr
  • 0
Peter Leopold
Es hat sich etwas verändert..aber doch nicht so viel wie ich befürchtet hatte...
  • 07.12.2016, 17:49 Uhr
  • 1
nein es wird leichter oder ich sag mal anders..............und ich denke jetzt öfter an die lustigen Dinge die ich mit meiner Ma erlebt habe und bin dankbar so eine liebe Mutter gehabt zu haben
  • 07.12.2016, 18:01 Uhr
  • 1
Peter Leopold
Klar mit der Zeit schwindet auch langsam die Erinnerung an Details...auch wenn man das vielleicht gar nicht will.
  • 07.12.2016, 18:03 Uhr
  • 1
stimmt Peter ............... so ist es
  • 07.12.2016, 22:02 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Ich kann mitfühlen, denn an Weihnachten habe ich meinen Mann verloren, aber trotz Trauer gibt es auch schöne Erinnerungen.
Bei dieser Schilderung wurde mir auch das Herz schwer.
Liebe Grüße und einen schönen Tag.
  • 07.12.2016, 13:04 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Bei Deiner Erzählung lieber Peter trieb es mir die Tränen ins Auge, Du weist warum... mehr kann ich im Moment nicht dazu schreiben.
Dir einen schönen Tag
  • 07.12.2016, 11:12 Uhr
  • 0
Peter Leopold
Dir auch einen schönen Tag!
  • 07.12.2016, 11:32 Uhr
  • 1
Danke Peter
  • 07.12.2016, 11:35 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Das ist eine schöne und sehr berührende Geschichte. Vielen Dank und frohe Feiertage !
  • 07.12.2016, 10:16 Uhr
  • 0
Peter Leopold
Dir auch frohes Fest
  • 07.12.2016, 12:26 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
genau so sollten unsere Erinnerungen sein
  • 07.12.2016, 10:02 Uhr
  • 0
Peter Leopold
Nur vielleicht etwas angenehmer
  • 07.12.2016, 12:29 Uhr
  • 0
ich werde mich bemühen,
bis zum letzten Atemzug
meinen Lieben mein glückliches
Gesicht zu zeigen.
Mein Mann hat es auch getan.
  • 07.12.2016, 12:41 Uhr
  • 0
Peter Leopold
SO soll es sein
  • 07.12.2016, 12:42 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.